Marburg - Universitätsstadt an der Lahn

Marburg, die malerische Universitätsstadt, erstreckt sich entlang der Lahn und ist geprägt von schönen Fachwerkhäusern und engen, gepflasterten Gassen.

Marburg blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Hier wirkte die Heilige Elisabeth, hier wurde die erste protestantische Universität gegründet, hier lebte und arbeitete Emil von Behring, der erste Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin.

Die Geschichte Marburgs reicht bis ins Mittelalter zurück. 1222 zum ersten Mal als Stadt erwähnt, wuchs ihre Bedeutung rasch, vor allem durch das Wirken der Heilige Elisabeth. Ihr zur Ehrung wurde die Elisabethkirche gebaut, die älteste gotische Hallenkirche Deutschlands. Sie ist bis heute eines der Wahrzeichen der Stadt an der Lahn.

Ein Meilenstein in der Stadtgeschichte war auch die Gründung der Philipps-Universität im Jahr 1527 durch Landgraf Philipp den Großmütigen. Sie war die erste protestantische Universität der Welt und machte Marburg zu einem Zentrum der Wissenschaft und Bildung, eine Rolle, die bis in die heutige Zeit hinein reicht.

Marburg entwickelte sich Im Laufe der Jahrhunderte von einer Residenzstadt der hessischen Landgrafen zu einem Bildungs- und Wirtschaftsstandort. Historische Bauwerke wie das Landgrafenschloss, das Alte Rathaus oder die zahlreichen Fachwerkhäuser in der Oberstadt sind Zeugen einer bewegten Geschichte.

Mit ihren rund 77.000 Einwohnern ist Marburg Hessens achtgrößte Stadt und neben Limburg ein weiteres Highlight an der Lahn und damit unbedingt einen Besuch wert. Flanieren Sie durch die Altstadt mit ihren schmalen, romantischen Gassen und bestaunen Sie die Fachwerkhäuser und Gründerzeitvillen, die oft gemütliche Läden, Restaurants, Bars und Cafés beherbergen. Zum bunten Szene- und Kneipenleben tragen auch die vielen Studenten bei, die gut 32% der Bevölkerung ausmachen.

Hoch über der Stadt thront das Landgrafenschloss
Blick vom Schloss auf die Stadt

Geschichte der Stadt

Erste Siedlungsspuren führen in die Zeit vor 50.000 Jahren zurück. Schaber und anderes Werkzeug wurde gefunden, die auf eine Besiedlung in dieser Zeit schließen lassen könnten. Die ersten Anfänge der Burg- und Schlossanlage reichen bis ins 9. bis 10 Jahrhundert zurück. Eine erste urkundliche Erwähnung Marburgs („Marcburg“) ist für 1138/39 belegt, die der gleichnamigen Marktsiedlung und Münzstätte etwa auf das Jahr 1140. Seine Stadtrechte erhielt Marburg im Jahr 1222.

Große Bedeutung erhielt die Stadt aber erst durch die Landgräfin Elisabeth von Thüringen die Marburg 1228 als Witwensitz wählte. Sie baute ein Hospital, in dem sie sich bei der Pflege von Kranken und Gebrechlichen aufopferte. Obwohl sie bereits mit 24 Jahren im Jahre 1231 starb, ist sie bis heute die bedeutendste Persönlichkeit, die je in Marburg wirkte. Nach ihrem Tod im Jahre 1231 wurde das Hospital vom Deutschen Ritterorden übernommen. 1235 wurde Elisabeth heiliggesprochen, im gleichen Jahr begann der Deutsche Orden über ihrem Grab die Elisabethkirche zu bauen. Pilgerinnen und Pilger aus ganz Europa kamen zum Grab der Heiligen und trugen dazu bei, dass Marburg als Stadt aufblühte.

Dreizehn Jahre nach ihrem Tod gründete Elisabeths Tochter, Sophie von Brabant, in Marburg das Land Hessen. In den nachfolgenden Jahren wurde das Schloss zur Residenz und Festung ausgebaut. Zwischen 1248 und 1604 war die Stadt mit Unterbrechungen Residenz der Landgrafen von Hessen-Marburg.

1319 wurde fast die gesamte Stadt bei einem großen Brand vernichtet, in den Jahren 1348 bis 1349 wütete die Pest in Marburg und forderte zahlreiche Todesopfer. 1526 führte Landgraf Philipp der Großmütige in Hessen die Reformation ein, 1527 gründete er in Marburg die erste protestantische Universität der Welt.

Während des dreißigjährigen Krieges wurde Marburg im Jahre 1647 von den kaiserlichen Truppen belagert und geplündert. Von 1807-1813 wurde die Stadt zu einem Teil des westfälischen Königreiches, in diese Zeit fällt auch die Schleifung der Festungsanlagen des Schlosses. 1850 wurde die Eisenbahnstrecke von Kassel nach Marburg eröffnet und ab 1852 bis Frankfurt am Main verlängert.

1901 erhielt Emil von Behring den Nobelpreis für Medizin und gründete 1904 die bekannten Behringwerke Marburgs. 1929 wird Marburg kreisfreie Stadt. Während des zweiten Weltkrieges wird die Stadt mehrfach bombardiert, Marburg übersteht den Krieg aber ohne größere Schäden. 1972 feierten die Marburger im Rahmen des Hessentages das 750-jährige Bestehen ihrer Stadt.

Der Hexenturm diente zu Zeiten der Hexenverfolgung als Gefängnis
Das Kalbstor ist Marburgs einziges heute zugängliches mittelalterliches Stadttor

Anreise nach Marburg

Die Anreise nach Marburg erfolgt über die Autobahnen 5 oder 49. Durch die Stadt führt die Bundesstraße 3, weitere nahegelegene Bundesstraßen sind die B 62, 255 und 454. Die Stadt bietet ein gut ausgebautes Parksystem mit vielen zentrumsnahen Parkplätzen. Ein Parkleitsystem informiert über freie Parkmöglichkeiten.

Wer mit einem E-Auto unterwegs ist, dem stehen öffentlichen Parkplätze kostenfrei zur Verfügung. Dafür benötigt das Auto ein E-Kennzeichen oder eine Plakette für elektrisch betriebene Fahrzeuge gem. §9 a der Fahrzeug-Zulassungsverordnung.

Der Bahnhof Marburg ist Intercity- und ICE-Halt auf der Linie Stralsund–Hamburg–Hannover–Frankfurt–Karlsruhe und im Zweistundentakt an den Fernverkehr auf dieser Linie angebunden.

Alternativ kommen Sie auch mit dem Fernbus (Flixbus) in die Stadt, beliebte Strecken führen von Berlin oder Hamburg in die Stadt. Im Nahverkehr ist die Stadt an die Main-Weser-Bahn angeschlossen. Der Öffentliche Nahverkehr wird von 19 Buslinien bedient.

Der Flughafen Frankfurt/Main ist mit dem Auto in 1 Stunde erreichbar, eine Direktverbindung mit der Regionalbahn 98 besteht ebenfalls.

Die Marburger Schlossbahn fährt durch die malerische Altstadt
Aufzüge bringen Besucher bequem von der Unterstadt in die Oberstadt

Die Altstadt

Erster Anlaufpunkt bei einem Besuch Marburgs ist sicherlich die Altstadt. Die Stadt ist aufgeteilt in Ober- und Unterstadt. 100 Höhenmeter oder 400 Treppenstufen trennen diese, weshalb Marburg auch als Stadt der Treppen bezeichnet wird. Wer es gerne bequem mag der nimmt einen der Fahrstühle der immerhin die Hälfte der Höhenmeter überbrückt.

Die Oberstadt (Altstadt) besteht aus zahlreichen kleinen Gassen mit einem charmanten Ensemble aus Fachwerkhäusern und altehrwürdigen Kirchen. Jede dieser Gassen bietet seine eigene Perspektive, einige führen hinauf zum Landgrafenschloss. Die engste dieser Gassen ist die Stiefelgasse mit einer Breite von gerade einmal 2,50 Metern.

Etwas Besonderes ist der Grimm-Dich-Pfad, eine beliebte Tour durch die Oberstadt, hier können Sie in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm eintauchen. Durch enge Gassen und vorbei an bekannten Sehenswürdigkeiten gilt es, Figuren aus den Märchengeschichten aufzuspüren. Anhand fest installierter QR-Codes lassen sich die dazugehörigen Märchentexte einfach über das Smartphone aufrufen. In Marburg studierten Jacob und Wilhelm Grimm und wohnten in einem heute noch erhaltenen Fachwerkhaus in der Barfüßerstraße Nr. 35 an der Ecke zur Wendelgasse.

Gehen Sie doch zusammen mit einem der Stadtführer auf eine Entdeckungsreise durch die Altstadt. Folge den Spuren berühmter Persönlichkeiten wie den Gebrüdern Grimm, Martin Luther oder Emil von Behring. Insgesamt 33 öffentlichen Führungen bieten eine bunte Vielfalt an Erlebnissen.

Sie haben die Möglichkeit die Stadt auf einer Entdeckertour mit der „Marburger Schlossbahn“ zu erkunden. Das ist sicherlich für diejenigen interessant die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Während der 1-stündigen Stadtrundfahrt erfahren Sie Wissenswertes über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.   

Die Einstiegsstelle zur Stadtrundfahrt befindet sich am Pilgrimstein, unweit der Elisabethkirche. Von dort aus fährt die Bahn durch die engen Gassen der Altstadt bis zum Marktplatz, durch die Marburger Südstadt zum Rudolphsplatz und von dort aus über die Lahnbrücke in den „Alten Stadtteil Weidenhausen“.

Auf dem Rückweg geht es vorbei an der“ Alten Universität“, durch Marburg`s „Neue Mitte“, vorbei am Kunstmuseum, der Stadthalle und dem Biegenviertel bis hin zur Elisabethkirche und dem Firmaneiplatz, bevor der Ausgangspunkt der Fahrt, die Haltestelle am Pilgrimstein, erreicht wird.

Die Schlossbahn fährt auf der Stadtrundfahrt nicht zum Schloss!

Sie können allerdings auch die 2-Stündige Schlosstour buchen, diese richtet sich allerdings an Gruppen. Die Schlosstour wird in den Sprachen deutsch, englisch, italienisch, französisch, niederländisch und russisch durchgeführt. Die Moderation wird über Lautsprecher übertragen. Gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit, die Moderation über Kopfhörer in einer der angebotenen Sprache mitzuhören.

Die Reitgasse in der Altstadt
Am Markt

Der historische Marktplatz

Der zentrale Platz der Altstadt ist der historische Marktplatz. Hier steht eines der Wahrzeichen der Stadt, das aus Stein erbaute Rathaus. Das Gebäude vereint die Baustile der Spätgotik und Renaissance. Der Bau begann 1512 und dauerte bis 1527, eine Erweiterung mit dem sechseckigen Treppenturm in der Fassadenmitte und dem kunstvollen Uhrgiebel erfolgte 1581/82.

Eine Touristenattraktion ist die 1581 von Eberhard Baldewein entworfene Uhr, deren Mechanik 1582 durch Christoff Dohrn umgesetzt wurde. Der „Gockel“ auf dem Dach schlägt zu jeder vollen Stunde, das Geräusch wird allerdings von einem Trompeter darunter erzeugt.

Bemerkenswert ist auch die Rathausuhr mit ihren beweglichen Figuren und der symbolischen Darstellung von Zeit und Gerechtigkeit. Die Justitia-Figur etwa ist entgegen der Konvention mit unverbundenen Augen dargestellt, möglicherweise als Symbol für die Gerechtigkeit des Magistrats.

Der Marktplatz ist ein geschichtsträchtiger Ort, hier soll 1248 Sophie von Brabant ihren Sohn Heinrich zum Landgrafen ausgerufen haben Dieses Ereignis gilt als Gründungsakt des Landes Hessen. Eine 1989 errichtete Bronzestatue erinnert an diesen bedeutenden Moment.

Ebenfalls am Markt steht der Marktbrunnen mit einer Statue des heiligen Georg, der den Drachen besiegt. Der Marktbrunnen diente im späten Mittelalter als Gerichtsort.

Jeden Samstag bauen die Markthändlerinnen und Markthändler von 10 bis 17 Uhr ihre Stände auf dem historischen Marktplatz vor dem Rathaus auf.

Das Rathaus am Markt
Brüder-Grimm-Pfad - Das tapfere Schneiderlein

Das Landgrafenschloss

Hoch über der Stadt thront das Landgrafenschloss, ein Herrschaftssitz mit einer fast tausendjährigen Geschichte. Die Schlossanlage ist von historischer Bedeutung, die ältesten Teile der Burg datieren ins späte zehnte oder frühe elfte Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert ließ Landgraf Heinrich I. die bestehende Burg zu seiner Residenz ausbauen. Die 1288 geweihte Schlosskapelle und der Fürstensaal gehören zu den frühesten gotischen Bauwerken ihrer Art in der Region.

Ein bedeutendes historisches Ereignis fand 1529 auf der Burg statt, das Marburger Religionsgespräch. Führende Reformatoren wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und Ulrich Zwingli diskutierten über strittige Punkte ihrer Glaubenslehre. Eine weitere Blütezeit erlebte das Landgrafenschloss im 16. Jahrhundert unter Landgraf Philipp dem Großmütigen. In diese Epoche fallen bedeutende bauliche Erweiterungen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Schloss als Festung ausgebaut, als Gefängnis genutzt und als Staatsarchiv genutzt. Heute ist ein Teil des Gebäudes dem Universitätsmuseum für Kunst und Kulturgeschichte gewidmet.

Das Schloss kann gegen Gebühr besichtigt werden, sie können auch an einer geführten Tour teilnehmen. Beeindruckende historische Räume sind der Fürstensaal und die Schlosskapelle, sowie zwei große Ausstellungsräume. Der kleine Saal, auch als Lutherzimmer bekannt, befindet sich im Südflügel des Schlosses und bietet Platz für ca. 40 Personen. Hier können sich Brautpaare das Ja-Wort geben.

Ebenfalls im Südflügel ist die Ausstellung „Stadtgeschichten“ als Teil des dreiteiligen Projektes „Stadtgeschichten“ zu sehen mit der Präsentation von originalen Zeugnissen der Vergangenheit. Im Westsaal werden „Burg und Schloss Marburg“ thematisiert. Ausgewählte Exponate, historische Modelle und auch der Blick durch Bodenfenster auf Teile von Vorgängerbauten verdeutlichen die lange Bau- und Funktionsgeschichte.

Rund um das Schloss lädt der Schlosspark mit seinem Rosengarten zum Verweilen ein. Im historische Judizierhäuschen befindet sich das Bistro Schlosscafé mit einer Außenterrasse das allerdings nur für eigene Kulturveranstaltungen und die Veranstaltung „3-Tage-Marburg“ öffnet.

Im Schlosspark befindet sich auch die Schlossparkbühne die 1927 von Fritz Budde konzipiert wurde. Mit einer visionären Raumarchitektur, insbesondere den drei markanten „gotischen“ Bögen aus Stahl und Beton, wurde eine neuartige Verbindung von Natur und Bühnenkunst geschaffen. Im Sommer finden hier zahlreiche Open-Air-Veranstaltungen statt.

Ein dunkles Kapital in der Geschichte der Stadt beherbergt der etwas unterhalb des Schlosses stehende „Hexenturm“. Ursprünglich als Geschützturm errichtet, diente dieser zu Zeiten der Hexenverfolgung als Gefängnis. In den 12 Zellen umgeben von 4 Meter dicken Mauern warteten die Inhaftierten, darunter auch angebliche Hexen, auf ihren Prozess.

Der Weg aus der Stadt zum Schloss ist nicht für jeden geeignet, wer nicht gut zu Fuß ist kann mit seinem PKW zum Schloss fahren, dort stehen kostenfreie Parkplätze zur Verfügung. Von dort sind es gut 100 Meter bis zum Schloss.

Hoch über der Stadt thront das Landgrafenschloss
Der Rosengarten ist Teil des Schlossparks

Die Elisabethkirche

Am Fuße des Schlossberges steht eine weitere bedeutende Sehenswürdigkeit, die von 1235 bis 1283 erbaute Elisabethkirche. Die älteste rein gotische Kirche Deutschlands entstand über dem Grab der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Elisabeth setzte sich selbstlos für die Kranken ein. Sie starb 1231 in Marburg, ihre frühe Heiligsprechung 1235 machte die Stadt zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Die Elisabethkirche ist erhalten geblieben so wie sie einst vor rund 800 Jahren erbaut wurde.

Die dreischiffige Hallenkirche mit ihren zwei 80 Meter hohen Türmen und dem Drei-Konchen-Chor (auch als Kleeblattchor bekannt) beherbergt wertvolle Kunstwerke. Dazu gehören der reich geschmückte, gotische Elisabethschrein und die bunten mittelalterlichen Glasfenster aus dem 13. Jahrhundert mit Darstellungen aus dem Leben der Heiligen sowie von Elisabeth. Der Elisabeth- und der Marienaltar sind Meisterwerke aus dem frühen 16. Jahrhundert, geschaffen vom Marburger Bildschnitzer Ludwig Juppe.

Das Geläut der Kirche besteht heute aus 10 Glocken, die ältesten sind die Marienglocke aus der Zeit um 1280 und die 1380 gegossene Elisabethglocke. Die Elisabethglocke ist eine der klangschönsten Glocken des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Weitere Glocken mussten in den beiden Weltkriegen als Metallspende abgegeben werden.

Blick vom Schloss auf die Türme der Elisabethkirche
Am Fuße des Schlossberges steht die von 1235 bis 1283 erbaute Elisabethkirche

St.-Marien-Kirche und Kugelkirche

Eine weitere interessante Kirche ist die St.-Marien-Kirche, auch Stadtpfarrkirche genannt. Das Besondere der Kirche ist ihr schiefer Turm, der die Silhouette der Oberstadt prägt. Eine erste urkundliche Nennung der Marienkirche stammt aus dem Jahre 1222. Die Marienkirche bestand dabei aus einem romanischen Vorgängerbau, an den um 1288 der gotische Chor angebaut wurde. Zwischen 1318 und 1390–95 wurde das gotische Langhaus an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet.

Ab Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden der Kirchturm und die Turmhalle an der Westseite des Langhauses. 1473 erhielt der Turm seine noch heute erhaltene hölzerne schiefe Turmspitze, die ein markantes Wahrzeichen der Altstadt ist. Es wird gemunkelt das der Kirchturm deshalb schief sei, weil noch nie eine Studentin als Jungfrau ihr Studium an der Universität beendet hat.

Im Herzen der Altstadt befindet sich die Kirche Sankt Johannes Evangelist, auch Kugelkirche genannt. Ihr Bau begann 1492/1495 und wurde um 1520 beendet. Der Weg dorthin führt dich durch die malerische Kugelgasse mit ihren wildbewachsenen Vorgärten. Der Name geht zurück auf die Gemeinschaft der Brüder vom gemeinsamen Leben, die aufgrund ihrer Kopfbedeckung, einer Mütze mit langem Zipfel, als Kugelherren bezeichnet wurden.

Bereits wenige Jahre nach der Einführung der Reformation in Hessen wurde die Brüdergemeinschaft der Kugelherren aufgelöst und die Kugelkirche zum Hörsaal der Theologischen Fakultät umfunktioniert. Eine katholische Gemeinde gibt es in der spätgotischen Kugelkirche wieder seit 1827. Besonders schön ist das Netzgewölbe im Inneren, das mit gotischen Fresken in Form von Strahlenkränzen und Blattwerk verziert ist sowie ein Elisabethschrein mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth.

Deutlich ist der schiefe Turm der St.-Marien-Kirche zu erkennen
Im Herzen der Altstadt befindet sich die Kugelkirche

Alte Universität Marburg

Die Geschichte der Alten Universität reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. 1291 als Dominikanerkloster gegründet, machte Landgraf Philipp der Großmütige im Jahre 1527 daraus die erste protestantische Universität der Welt. Die Universität begann mit elf Professoren und etwa 90 Studenten. Zwischen 1873 und 1891 wurde das heutige Gebäude der Alten Universität im neugotischen Stil umgestaltet.

Besonders sehenswert ist die 1903 eingeweihte Alte Aula mit Gemälden von Peter Janssen, einem bedeutenden Vertreter der Düsseldorfer Malerschule. Die Aula verfügt über besondere Glasfenster. Sie sind in einer Technik namens Grisaille gestaltet, die ein besonderes gedämpftes Licht abgeben und damit eine einzigartige Stimmung versprühen.

Die an die Alte Universität angrenzende gotische Universitätskirche war ursprünglich Teil des Dominikanerklosters und diente teilweise als Kornspeicher. Im Inneren finden sich Kunstwerke aus verschiedenen Epochen.

Besuchen Sie auch den Alten Botanischen Garten der Universität im Zentrum der Stadt. Vor 200 Jahren angelegt diente er der Erforschung der Pflanzenwelt. Er wurde im Bereich des Gartengeländes des Deutschen Ordens angelegt. Der Alte Botanische Garten ist der einzige öffentliche Park in der Marburger Innenstadt und heute ein wichtiges Naherholungsziel.

Mächtig erhebt sich das Gebäude der Alten Universität empor
Im Alten Botanischen Garten

Der Kaiser-Wilhelm-Turm

Zu den beliebtesten Ausflugszielen der Stadt zählt der Kaiser-Wilhelm-Turm, auch Spiegelslustturm genannt. Der 36 Meter hohe Turm ragt zwischen dichten Wäldern und liegt auf einer Anhöhe unweit des Universitätsklinikums. 167 Stufen führen auf den 36 Meter hohen Turm, nach der Besteigung bietet sich den Besuchern ein schöner Rundblick auf die Stadt, das Lahntal und das hügelige Umland.

Bereits die Terrasse am Fuße des Turmes bietet einen beeindruckenden Ausblick auf die Stadt. Das Turm-Café bietet in der warmen Jahreszeit Kaffee und Kuchen auf der Sommerterrasse am Fuße des Turmes an. Der Turm ist auch ein gern gebuchter Ort für Trauungen, die in der Turmstube im Erdgeschoss mit ca. 30 Personen stattfinden kann. Der Außenbereich bietet unter freiem Himmel ausreichend Platz für größere Gesellschaften.

Zu den beliebtesten Ausflugszielen der Stadt zählt der Kaiser-Wilhelm-Turm
Tretbootverleih an der Lahn in Marburg