documenta‐Stadt Kassel - Vielfalt die fasziniert
In Nordhessen nahe der Grenze zu Niedersachsen liegt Kassel in einem Talkessel. Die Stadt ist eingerahmt von Bergen des Habichtswaldes, den südlichen Ausläufern des Reinhardswaldes sowie dem Kaufunger Wald. Die Höhenunterschiede in der Stadt sind groß, tiefste Stelle ist die Fuldaaue mit 132 Metern, höchste Stelle ist der im Habichtswald liegende 615 Meter hohe Berg „Hohes Gras“. Das führt dazu das im Winter manchmal auf den umgebenden Bergen Schnee liegt, während die Stadt schneefrei bleibt.
Viele denken vielleicht wenn sie an Kassel denken an das berühmte Gericht „Kassler mit Sauerkraut“, das ist allerdings eine Erfindung des Berliner Fleischermeisters Cassel. Berühmtberüchtigt bei Fernfahrern ist die Bundesautobahn A 7 die an der Stadt vorbeiführt. Hinter der Werratalbrücke bei Hann. Münden befindet sich der steilste Autobahnabschnitt Europas, die Steigung beträgt 8% und verlangt manchen vollbeladenen LKW alles ab, um den Hauptkamm des Kaufunger Waldes zu erklimmen.
Auf der anderen Seite, wenn es den Berg hinabgeht, ist eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erlaubt. Am Beginn der Werratalbrücke steht seit 1996 eine Geschwindigkeits-Überwachungsanlage. Vorsicht hier kann er teuer werden. Und wer diesen Blitzer hinter sich gelassen hat und auf der Werratalbrücke Gas gibt der darf sich nicht wundern wenn er an dessen Ende geblitzt wird. Da steht gerne mal ein mobiler Blitzer.
Die Stadt verfügt über keine Altstadt mit Fachwerkhäusern, trotzdem gibt es einige bemerkenswerte Bauwerke. Dazu zählen das Schloss Wilhelmshöhe, die Orangerie in der Karlsaue und das Fridericianum am Friedrichsplatz.
Außerdem gehört Kassel zu den grünsten Großstädten Deutschlands. Wo immer Sie sind, nie ist es weit zum nächsten Park, zu einer der vielen Gartenanlage oder aber einer Grünfläche. Gesehen haben sollte jeder Besucher den Bergpark und seine Wasserspiele. Die Wasserspiele sind vom 1. Mai bis zum 3. Oktober immer mittwochs, sonntags und feiertags zu sehen. Start an diesen Tagen ist um 14.30 Uhr am Herkules.
Wichtigste Veranstaltung ist die „documenta“ eine weltweit bedeutende Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Sie findet alle fünf Jahre statt und dauert jeweils 100 Tage. Die Schau wurde 1955 von Arnold Bode gegründet, um nach dem Zweiten Weltkrieg die im Nationalsozialismus unterdrückte Moderne wiederzubeleben. Die ganze Stadt wird Teil der Ausstellung und anders als in einem einzelnen Museum verteilt sich die documenta über viele Orte in Stadtgebiet. Die nächste Ausstellung ist vom 12. Juni bis 19. September 2027.
Geschichte der Stadt
Die Geschichte der Stadt beginnt im Jahre 811 als Kaiser Karl dem Sachsen Benuit ein Grundstück in der Mark von Vulvisanger (Wolfsanger) als Lehen zuspricht.
913 unterzeichnet König Konrad I., der sich im befestigten Königshof „Chassella“ an der Fulda aufhält, zwei Urkunden, die die ältesten bekannten schriftlichen Dokumente zur Geschichte der Stadt Kassel sind.
1008 überlässt Kaiser Heinrich II. seiner Frau Kunigunde den Königshof Kassel mit allen Ländereien und Leistungsansprüchen, damit sie nach seinem Tod angemessen versorgt ist.
1011 unterzeichnet Kaiser Heinrich II. eine Urkunde in „Coufunga“, heute der älteste Beleg für den Ort Kaufungen am Ostrand des Kasseler Beckens.
1189 belegt eine Urkunde aus diesem Jahr, dass Kassel Stadtrechte besitzt. Aus der ersten Nennung als „civitas“ ist auch zu schließen, dass Kassel zu dieser Zeit einen Markt für den täglichen Bedarf besitzt.
1283 wird erstmals die einige Jahre zuvor gegründete Stadtsiedlung am rechten Fuldaufer in einer Urkunde erwähnt. Es handelt sich um Nova civitas Casle, die Neustadt, die seit dem 17. Jahrhundert Unterneustadt genannt wird.
1376 wird die Brüderkirche, heute das älteste Bauwerk der Stadt, fertiggestellt.
1421 borgt die Stadt sich 150 Goldgulden vom Vikar der Martinskirche, Johann Amelung. Damit finanziert sie den Bau eines Kaufhauses auf dem Martinsplatz, das „erstlich mit Stroh gedeckt“ wird. Das Haus dient in erster Linie dem Markt‐ und Handelsverkehr. Nach der wertvollsten Ware, die gehandelt wird, nimmt es die Bezeichnung Tuchhaus an. Einheimische und auswärtige Gewandschneider und Wollenweber legen hier ihre Stoffe zum Verkauf aus. Im Keller wird ein Weinschank eingerichtet, den die Bürger gern aufsuchen.
1466 lässt Landgraf Ludwig II. anstelle der fast 200 Jahre alten Burg einen neuen Schloßbau errichten „mit einem gewaltigen steinernen Fuß, hölzern Stockwerk, hübschen Spitzen und Zinnen“.
Durch die Unachtsamkeit einer Magd bricht 1521 in der nördlichen Altstadt ein Brand aus. Da die meisten Gebäude nur mit Stroh gedeckt sind, breitet sich das Feuer rasch aus und zerstört 300 Häuser.
1523 beginnt Landgraf Philipp mit dem Ausbau der Festungsanlagen rund um die Stadt.
1547 ist Landgraf Philipp nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes politisch ins Abseits geraten, der Kaiser spricht eine fünfjährige Reichsacht gegen ihn aus. Die Kasseler Stadtbefestigung muss geschleift werden.
1606 wird der erste feste Theaterbau Deutschlands, das Ottoneum, fertiggestellt.
1633, mitten im 30jährigen Krieg wird die Universität Kassel feierlich eröffnet. Im Nordwest‐Flügel des Renthofs wirkt sie 20 Jahre lang.
1717 wird die Herkulesstatue auf die Pyramide des Oktogons gesetzt.
1748 brennen in Kassel 1055 Straßenlaternen. Diese für die damalige Zeit hervorragende Straßenbeleuchtung wird später von Johann Wolfgang von Goethe rühmend erwähnt.
1779 wird das Museum Fridericianum, das erste der Öffentlichkeit zugängliche Museum des Kontinents, fertiggestellt.
1783 wird auf dem Friedrichsplatz das Denkmal Landgraf Friedrichs II. enthüllt, der nicht nur ein Förderer der Künste war, sondern sich auch der Wirtschaft annahm.
1796 besucht der König von Preußen, Friedrich Wilhelm II., Kassel. Anlass hierzu ist die beabsichtigte Vermählung seiner sechzehnjährigen Tochter Auguste mit dem Erbprinzen Wilhelm von Hessen‐Kassel. Dem preußischen König geht es aber auch darum, von dem reichen zukünftigen Schwiegervater Landgraf Wilhelm IX. eine Finanzhilfe, ein Darlehen in Höhe von 1,5 Millionen Talern, zu erhalten.
1806 stehen Napoleonische Truppen vor Kassel, darauf geht die kurfürstliche Familie ins Exil.
1807 zieht Napoleons jüngster Bruder Jérôme als König von Westfalen in seine neue Hauptstadt Kassel ein. Das Schloss Wilhelmshöhe heißt künftig Napoleonshöhe, Schloss Wilhelmsthal nach der neuen Königin Katharinenthal.
1848 stehen dichte Menschenmassen an den Hängen des Tannenwäldchens neben dem Kasseler Hauptbahnhof, um den ersten Zug der Friedrich‐Wilhelm‐Nordbahn zuzujubeln. Dieser bringt, mit Fahnen und Blumen geschmückt, die Prominenz der Kasseler Staats‐ und Stadtbehörden nach Grebenstein.
1899 erreicht die Stadt eine Einwohnerzahl von 100.000 und gilt nunmehr als Großstadt.
1903 nimmt die Herkulesbahn, die bereits seit einem Jahr Braunkohle aus dem Habichtswald zu Tal befördert, auch den Personenverkehr auf.
1914 wird bei Bohrungen in Wilhelmshöhe eine starke Sole zu Tage gefördert.
Am 3. Oktober 1943 fliegt die Royal Air Force mit 500 Flugzeugen die Stadt an. Fehler bei der Zielmarkierung führen dazu, dass die tödliche Bombenfracht nicht die Altstadt, sondern Teile der Nordstadt, Wolfsanger, Sandershausen und Bettenhausen trifft.
Am 22. Oktober des gleichen Jahres verfehlt ein erneuter Angriff der Royal Air Force sein Ziel nicht. Ungefähr 10.000 Menschen verlieren an diesem Abend ihr Leben. Die Innenstadt, und damit auch das Hauptgeschäftsviertel, ist vollständig zerstört. Zerstört oder schwer beschädigt sind sämtliche Industriebetriebe, Versorgungsbetriebe und Verkehrsanlagen.
Anreise nach Kassel
Kassel ist bestens zu erreichen liegt die Stadt doch an der wichtigen Ost-Südroute, der Autobahn A7. Dazu verläuft die A 44 aus Richtung Westen kommend an der Stadt vorbei und trifft am Dreieck Kassel-Süd auf die A7. Die Autobahn A 49 führt vom Kreuz Kassel Mitte von der A 7 an Marburg vorbei bis zum Ohmtaldreieck, wo sie auf die Autobahn A5 trifft. Die Bundesstraßen B 3, B 7, B 83 und B 251 führen durch die Stadt.
Mehrere IC- und ICE-Linien halten am Bahnhof Kassel-Bad Wilhelmshöhe, der damit eine größere Bedeutung hat als der Hauptbahnhof mitten in der Stadt in dem nur Regionalbahnen halten.
Der Flughafen Kassel‐Calden liegt nur zirka 30 Minuten von der Innenstadt entfernt. Allerdings werden hier nur Touristische Ziele angeboten.
Besitzer eines Wohnmobils finden einen ruhigen Stellplatz in einer Sackgasse im Industriegebiet Kassel-Waldau. Weitere Stellplätze werden in den Umlandgemeinden angeboten.
Der Bergpark
Wer nach Kassel kommt sollte es nicht verpassen den Bergpark zu besuchen. Der am Hang des Habichtswaldes gelegene Landschaftsgarten ist der größte Bergpark Europas und erstreckt sich auf einer Fläche von über 560 Hektar. Seit 2013 zählt der Bergpark mit den historischen Wasserspielen zu den UNESCO‐Weltkulturerbe‐Stätten.
Der Bergpark ist berühmt für seinen einzigartigen Baum‐ und Pflanzenreichtum, für seine Museen und Sehenswürdigkeiten und natürlich den Herkules sowie die Wasserspiele. Der Park ist ganzjährig durchgehend geöffnet und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Alle Attraktionen sind in den Außenbereichen frei zugänglich, der Eintritt ist frei.
Die barocke Anlage entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Landgraf Karl von Hessen‐Kassel ließ die 250 Meter lange Kaskadenanlage mit dem Oktogon („Riesenschloss“) als Abschluss in den Jahren 1700 bis 1717 errichten. Über dem achteckigen Unterbau erhebt sich eine steile Pyramide, die von der 8,30 Meter hohen Statue des Herkules, dem Wahrzeichen der Stadt bekrönt wird. Die Besucherplattform bietet einen großartigen Blick auf die gesamte Parkanlage und die Stadt Kassel.
Im Besucherzentrum Wilhelmshöhe am Eingang des Bergparks können Sie sich über den Park, die Museen und Sehenswürdigkeiten und natürlich die Wasserspiele informieren. Neben den Infos über den Bergpark bietet der „Infopoint Kassel – Bad Wilhelmshöhe“ Prospekte und Infos zu Angeboten in der gesamten Stadt. Direkt hinter dem Gebäude ist die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1.
Das Besucherzentrum Herkules zu Füßen des Herkules ist Anlaufstelle für Wanderer, Spaziergänger sowie Besucherinnen und Besucher des Herkules und die Wasserspiele. Hier gibt es alle wichtigen Informationen über die Parkanlagen, Schlösser und weiteren Gebäude, über Museen und Ausstellungen. Hier können sich Besucher über den Herkules, die Wasserkünste oder den Bergpark informieren.
Schloss Wilhelmshöhe
Das Schloss Wilhelmshöhe wurde unter Landgraf Wilhelm IX. in mehreren Etappen erbaut. Früher standen an gleicher Stelle ein Augustinerkloster und später ein Jagdschlösschen.
Ab 1786 entstand das Schloss in mehreren Bauetappen. Parallel zur Umgestaltung der barocken Parkanlage in einen englischen Landschaftsgarten entwickelte Landgraf Wilhelm IX., der spätere Kurfürst Wilhelm I., das Schlossprojekt.
Nach Plänen von Simon Louis Du Ry entstand der heute sogenannte Weißensteinflügel. Ursprünglich als Solitär geplant, entschied sich Wilhelm IX. noch während des Baus zu einem nördlichen Pendant, dem heutigen Kirchflügel, und schließlich auch zu einem Mitteltrakt.
Das Hauptgebäude wurde durch einen Portikus und eine vom römischen Pantheon abgeleitete Kuppel gegenüber den Seitenflügeln monumental erhöht.
Seine geschlossene Form erhielt das Schloss unter Kurfürst Wilhelm II., der 1829 Verbindungsbauten zwischen den drei separierten Flügeln errichten ließ.
Nach der Gründung des Königreichs Westphalen durch Napoléon Bonaparte residierte dessen jüngerer Bruder Jérôme Bonaparte als König von Westphalen von 1807 bis 1813 in Kassel. In dieser Zeit wurde das Schloss Napoléonshöhe genannt und sein Regent „König Lustik“.
67 Jahre später zog wieder ein Bonaparte in Wilhelmshöhe ein. Nach einer verlorenen Schlacht im Deutsch‐Französischen Krieg wurde Kaiser Napoleon der III. gefangenen genommen und unter Arrest gestellt. Standesgemäß erfolgen seine Unterbringung vom 5. September 1870 bis 19. März 1871 im Schloss Wilhelmshöhe.
Die beiden deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. nutzen das Schloss mit ihren Familien als Sommerresidenz.
Heute sind im Schloss eine Antikensammlung, die Gemäldegalerie Alte Meister, die Graphische Sammlung und eine Bibliothek untergebracht. Darüber hinaus bietet das Museum Platz für Sonderausstellungen. Schlossräume können im Weißensteinflügel besichtigt werden.
Die Löwenburg
Oberhalb von Schloss Wilhelmshöhe inmitten des Bergparks liegt die künstliche Burgruine der Löwenburg. Von weitem erscheint sie wie eine romantische Ritterburg aus dem Mittelalter. Gebaut wurde sie jedoch erst zwischen 1793 und 1801 als „Stammburg“ von Landgraf Wilhelm IX. von Hessen‐Kassel, dem späteren Kurfürsten Wilhelm I.
Die Löwenburg war keine Festung, sondern ein Lustschloss, dessen fürstliche Wohnräume und reiche Ausstattung die große Sammelleidenschaft seines Erbauers widerspiegeln.
Die unmittelbare Umgebung der Burg wurde ebenfalls in die Inszenierung mit einbezogen, indem ein altertümlich wirkender Burggarten, ein Weinberg, ein Turnierplatz und ein Tiergarten angelegt wurden.
Die Wasserspiele im Bergpark
Etwas ganz Besonderes sind die Wasserspiele im Bergpark die vom 1. Mai bis zum 3. Oktober immer mittwochs, sonntags und feiertags zu sehen sind. Start an diesen Tagen ist um 14.30 Uhr am Herkules. 750 m³ Wasser durchlaufen bei jeder Vorstellung allein durch natürlichen Druck alle Stationen.
Seit über 300 Jahren funktionieren die Wasserspiele nach dem gleichen Prinzip. Nur durch die Ausnutzung physikalischer Gesetze und ohne den Einsatz von Pumpen fließen die Wassermassen vom Fuß des Herkules bis zum Schlossteich. Durch diese Inszenierung wird die Urgewalt des Wassers zum Ausdruck gebracht. Die Landgrafen von Hessen Kassel unterstrichen mit diesem Spektakel ihre absolutistischen Herrschaftsansprüche.
Das Wasser sprudelt über die Kaskaden, den Steinhöfer Wasserfall, die Teufelsbrücke und fällt über das Aquädukt und die Peneuskaskaden hinab zum Schlossteich. Hier lässt der Wasserdruck die „Große Fontäne“ über 50 Meter in die Höhe schießen. Die große Fontäne ist Abschluss und Höhepunkt der Wasserspiele. Jedes Wasserbild wird für ungefähr 10 Minuten inszeniert. Ende ist um ca. 16 Uhr. Wer die Wasserspiele vom Herkules bis zum Schloss Wilhelmshöhe folgt, legt dabei eine Strecke von ca. 2,3 km zurück.
Die Wasserspiele beginnen am Fuße des Oktogons, auf dem der Herkules thront. Hufeisenförmig umschließen zwei Wassertreppen die Grottenanlage. Hier beginnen die Wasserkünste mit den Fontänen im Artischokenbecken und den krummen Kaskaden.
Eine Ebene tiefer liegt das Riesenkopfbecken. Der steinerne Kopf des Giganten Encelados speit seinem Bezwinger Herkules eine zwölf Meter hohe Wasserfontäne entgegen.
Links und rechts in den Nischen stehen Figuren. Links ein „Faun“ und rechts ein „Zentaur“. Mit ihren Hörnern geben sie das Signal zum Beginn der Wasserkünste. Wie die Fontänen, wird auch das Tönen der Hörner durch natürlichen Wasserdruck erzeugt. Das Signal ist bis weit unten im Park zu hören.
Vom Riesenkopfbecken bis hinunter zum Neptunbassin werden die Kaskaden von insgesamt drei ovalen Wasserbecken unterbrochen. Die gewaltige Kaskadenanlage wird beidseitig von 535 bzw. 539 Treppenstufen gesäumt.
Die Kaskaden sind 210 Meter lang und 12 Meter breit. Die großen Querterrassen sind beidseitig mit hohen abfallenden Stufen eingefasst. Wer vor dem Wasser am Neptunbassin eintrifft, kann den römischen Meeresgott noch gut erkennen. Danach wird er vom herabstürzenden Wasser verdeckt.
Der Steinhöfer Wasserfall aus dem Jahr 1793 ist nach dem „Architekt“ der Wasserkünste, Karl Steinhöfer, benannt. Er ist Teil des Wassersystems zur Versorgung der romantischen Wasserkünste, zu denen die Teufelsbrücke, das Aquädukt und die große Fontäne zählen.
Um das Wasser in den mittleren Teil des Parks zu leiten, wurde ein befestigter und mit Kaskaden gestalteter Wasserlauf an einem Hang angelegt. Der Wasserfall stellt einen Steinbruch dar, der wegen Wassereinbruchs aufgegeben werden musste und nun von der Natur zurückerobert wird. Während der Inszenierung wird er nach und nach vom Wasser überströmt, welches sich unaufhaltsam über den gesamten Hang erstreckt.
Das Wasser fließt unter der Brücke in den 10 Meter tiefer gelegenen „Höllenteich“, welcher 1792/93 von Heinrich Christoph Jussow angelegt wurde. Das Brückengitter der Teufelsbrücke wurde 1826 in der durch den Lokomotivbau berühmt gewordenen Firma Henschel gegossen. Zu Jussows Zeiten war das Brückengeländer noch aus Holz.
Die Namen von Teufelsbrücke und Höllenteich stehen in Zusammenhang mit der angrenzenden Plutogrotte. Laut einer Sage soll Pluto, der römische Gott der Unterwelt, in dieser Grotte gesessen haben.
Das Aquädukt ist die Nachahmung einer römischen Wasserleitung und wurde von 1788 bis 1792 unter Leitung von Heinrich Christoph Jussow erbaut. Es ist bis heute der höchste künstliche Wasserfall in einem künstlerisch gestalteten Garten.
Als künstlich verfallenes Bauwerk geplant und gebaut, bricht das Aquädukt nach dem 14. seiner hohen Bogen jäh ab. Das ankommende Wasser fällt hier 30 Meter in die Tiefe. Dort liegen Trümmer der Wasserleitung, so als seien sie von einem ehemals intakten Bau hinabgestürzt.
Der Ruinenbau war zur Entstehungszeit des Aquäduktes modern. Man hatte die Originale in Italien und Frankreich besichtigt und wollte daheim an das römische Reich mit seiner Fortschrittlichkeit erinnern. Über die Peneuskaskaden fließt das Wasser am Jussowtempel vorbei in den Fontänenteich.
Der Fontänenteich wurde bereits Mitte des 18. Jahrhunderts künstlich angelegt. Hier finden die Wasserkünste in der 52 Meter hoch aufsteigenden Fontäne ihren grandiosen Abschluss.
Das Wasser für die Fontäne kommt aus dem oberhalb der Plutogrotte gelegenen Fontänenreservoir. Dieses Reservoir hat bereits das Wasser des ersten Wasserlaufes, unterhalb des Neptunbassins aufgenommen, ebenso wie das Wasser, welches den Steinhöfer Wasserfall herabstürzte.
Um die Fontäne in Form eines Geysirs aufsteigen zu lassen, muss der Fontänenkopf verschlossen und die Leitung aus dem 80 Meter höher gelegenen Fontänenreservoir mit Wasser gefüllt werden. Wenn die Leitung vollständig gefüllt ist, wird durch einen Mechanismus ein Deckel gelöst und die Fontäne steigt fulminant aus der Felseninsel in die Höhe.
Vom Fontänenteich fließt das Wasser der Wasserkünste über künstlich angelegte, aber natürlich wirkende Wasserfälle zum Schlossteich, dem sogenannten „Lac“. Aus einem kleinen Fischteich entstand dieser „Lac“, der in der Zeit von 1785−91 von Heinrich Christoph Jussow angelegt wurde.
Über den 1789 von Jussow angelegten Abfluss am östlichen Ende des Lacs verlässt das Wasser heute noch den Park als Wiesenbach. Früher floss das Wasser im Bach durch Kassel in die Fulda ab, heute wird es unterirdisch zur Fulda geleitet.
Die Wasserspiele sind genauso wie der Bergpark kostenfrei. Die Wasserspiele sind ausschließlich zu Fuß erreichbar. Für Menschen mit einer Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer sind die Wege nur bedingt geeignet. An der barocken Kaskadenanlage (mehr als 500 Stufen) ist kein Treppengeländer vorhanden. Festes Schuhwerk wird unbedingt empfohlen, Trittsicherheit und körperliche Fitness sind für den Parkbesuch unerlässlich.
Wenn Sie den Bergpark Wilhelmshöhe besuchen möchten, können Sie entweder hinter dem Herkules oder unterhalb von Schloss Wilhelmshöhe parken. Die Parkplätze sind gebührenpflichtig. Das Parkticket gilt an Wasserspieltagen außerdem als KombiTicket für maximal 7 Personen auf den Fahrten der Linie 23. Der Bus 23 verbindet die Parkplätze Wilhelmshöhe Park und Herkules. An Wasserspieltagen können Sie mit der Straßenbahn Linie 1 bis zur Endhaltestelle Wilhelmshöhe (Park) fahren. Von dort bringt Sie Bus 23 über die Haltestelle Druseltal zum Herkules zurück.
Die Orangerie
Sehenswert ist auch die Orangerie die Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag von Landgraf Carl nach französischem Vorbild erbaut wurde. Schon von weitem ist die gelbe Fassade der Orangerie sichtbar. Das Schloss bildet den nördlichen Anfang der Karlsaue und ist das Herzstück der barocken Gartenanlage.
Das Hauptgebäude ist knapp 140 Meter lang und die langen Galerien dienten als Festsäle. In der kalten Jahreszeit wurden die Orangenbäumchen und andere Kübelpflanzen aus dem so genannten Orangerie‐Garten ins Schloss zum Überwintern gebracht. Die beiden Eckpavillons, Marmorbad und Küchenpavillon, nutzten der Landgraf und seine Frau als Sommerresidenz. Das Marmorbad ist Deutschlands letzte bedeutende und erhalten gebliebene repräsentative Badeanlage aus der Zeit des Spätbarocks.
In der Orangerie befindet sich auch Hessens größtes Planetarium. Das Schloss ist Ausgangspunkt für den Planetenwanderweg und viele Spazierwege durch den Staatspark Karlsaue bis hin zur Blumeninsel Siebenbergen. Die große Terrasse wird im Sommer von einem Café als Außengastronomie genutzt.
Die Karlsaue
Um 1700 zunächst als Barockgarten mit Wasserbassins und fächerförmig angelegten Kanälen entworfen, wurde die Karlsaue Ende des 18. Jahrhunderts zum Landschaftsgarten im englischen Stil umgestaltet. Die Karlsaue ist ein Naherholungsgebiet auf über 150 Hektar – ebenerdig und gleich neben der Fulda. Die historische Parkanlage verfügt über zahlreiche künstlich angelegte Stillgewässer wie Teiche und kanalartige Wassergräben, die ausschließlich der Entfaltung von Flora und Fauna dienen.
Die Orangerie ist Ausganspunkt des Planetenwanderweg, der eine Art „Landkarte des Universums“ ist, die die Abstände und Größen der Planeten im Maßstab von 1:495 Millionen verkleinert. So wird die Vorstellung der ungeheuren Entfernungen und Größenunterschiede unserer von der Erde aus sichtbaren Planeten im Verhältnis zur Sonne zu einem nachvollziehbaren Erlebnis.
In der Mitte der Karlsaue befindet sich der Aueteich mit seiner Schwaneninsel, die durch ihr klassizistisches Tempelchen besonders ins Auge fällt. Auf dessen Dach wurde als goldene Kugel der Planet Jupiter angebracht, der ein Teil des in der Karlaue liegenden Planetenwanderweges ist.
Die Blumeninsel Siebenbergen
Ein sehenswertes Ziel ist auch die Blumeninsel Siebenbergen. Umgeben von einem Seerosenteich erhebt sich ein gut 16 Meter hoher Berg im Staatspark Karlsaue am südlichen Rand des Parks.
Die Blumeninsel entstand 1710 infolge des Aushubs des großen Bassins mit der Schwaneninsel. Die Insel vereint eine große Pflanzenfülle von über 100 Arten aus aller Welt. Blumen und Stauden, Laub‐ und zahlreiche Nadelgehölze aus allen Kontinenten und heimische Wildpflanzen, Seerosen und Orchideen aus Nordhessen sind dort ähnlich einem Botanischen Garten angelegt.
Im Frühjahr blühen hier auf drei Höhenebenen Narzissen, Tulpen, Hyazinthen und sogar schon die ersten Rhododendren um die Wette. Durch das jahreszeitlich bedingte Farbenspiel der Blätter, die saisonal wechselnden Blumenpflanzungen und den Ausblick über die umgebenden Wasserflächen bietet die Insel von Frühjahr bis Herbst stets ein tolles Panorama.
Die Insel Siebenbergen ist nur teilweise barrierefrei zugänglich. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Wege und teilweisen Steigungen im Gelände wird eine Hilfsperson benötigt. Die Blumeninsel ist vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenpflichtig.
Die Fuldaaue
Nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt erstreckt sich das große Naturschutzgebiet der Fuldaaue mit dem Buga‐See. Für Sporttreibende und Erholungssuchende bieten sich hier vielfältige Möglichkeiten. Das Gelände rund um den Buga‐See ist ein beliebtes Ausflugsziel für die ganze Region. Der See ist ein natürliches Gewässer, hier kann jeder an den dazu freigegebenen Flächen in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr baden gehen. Neben den Sandstränden, die besonders für Familien mit Kindern geeignet sind, gibt es am südwestlichen Ufer einen eigenen Bereich für FKK‐Anhänger.
Wer nicht baden möchte, nutzt das weitläufige Areal zum Joggen, Angeln, Windsurfen oder Segeln, Fahrradfahren, Tischtennis oder Fußballspielen. Wer einfach nur die Seele baumeln lassen möchte, entspannt sich bei einem guten Buch oder einem Picknick unter den alten Bäumen. Das Grillen ist nur außerhalb des Uferbereichs jenseits des jeweils ersten Landweges erlaubt.
Auch im Herbst und Winter oder bei schlechtem Wetter lohnt sich ein Spaziergang am Buga‐See. Dann haben Wasservögel die Seenlandschaft übernommen und können in großer Zahl beobachtet werden. Und im Herbst ist das Areal bestens geeignet, um Drachen steigen zu lassen.
Der Buga‐See verdankt seinen Namen der Bundesgartenschau 1981, zu deren Anlass er angelegt wurde. Die 34 Hektar große Seenlandschaft ist Bestandteil des Naturschutzgebiets Fuldaaue.
Die Altstadt
Die Altstadt von Kassel im heutigen Stadtteil Mitte wurde 1943 weitgehend zerstört. Im Vergleich zu anderen betroffenen Städten gab es in Kassel nach dem Krieg wenige Restaurierungen historischer Gebäude. Es entstand stattdessen eine Stadt der Moderne, was bis heute in Gebäuden mit beispielhafter 50er‐Jahre‐Architektur sichtbar wird. Trotz der Kriegszerstörung beherbergt die Stadt aufgrund ihrer Bedeutung als ehemalige Residenzstadt zahlreiche historische Gebäude vieler Epochen.
Im Gebiet der Innenstadt befinden sich historische Baudenkmäler. Dazu gehören der Renthof und das Rondell, die Martinskirche mit den markanten Türmen der frühen Nachkriegszeit, das Ottoneum, der Marstall, die Ruine des Zeughauses, das Karlshospital, der Druselturm sowie viele andere.
Mittelpunkt der Stadt ist der der kreisrunde Königsplatz, der 1767 von Simon Louis du Ry angelegt wurde. In den kreisrunden Platz münden strahlenförmig sechs Straßen. Von den einst glanzvollen Randbauten gibt heute nur noch das Gebäude einer Bank Zeugnis. Und wo in diesen Tagen eine große Einkaufsgalerie zu sehen ist, stand früher die Alte Post, zugleich auch Gasthaus, in dem Johann Wolfgang von Goethe mehrfach Station gemacht hat. Er lobte diese hell erleuchtete Stadt und den taghellen Königsplatz.
Interessant ist auch die Brunnenanlage, denn anstelle eines einzelnen Brunnens stehen rund um den Platz 36 Wasserspeier – sehr zur Freude vieler Kinder, die im Sommer hier eine tolle Möglichkeit der Abkühlung finden. Die Wasserspeier sind in den Sommermonaten täglich von 5 Uhr bis 1 Uhr in Betrieb. Rund um den Königsplatz spenden in den Sommermonaten Platanen Schatten, viele Sitzgelegenheiten, Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein.
Der Friedrichsplatz ist einer der größten innerstädtischen Plätze in Deutschland und zentraler Ort der „documenta“. Der Platz ist gesäumt von Kunstwerken vergangener „documenta-Ausstellungen“. Auf dem Platz gegenüber dem Museum Fridericianum steht das Marmorstandbild von Landgraf Friedrich II. (Regent von 1760 – 1785). Der Platz wird auch gerne für Open‐Air Veranstaltungen oder Gastspiele im Zelt genutzt.
Kassels Innenstadt ist mit seinen drei Einkaufsgalerien und ca. 600 Fachgeschäften in der Fußgängerzone ein wahres Einkaufsparadies und bietet von sportlicher Mode bis zum exklusiven Abendkleid alles, was das Herz begehrt. Viele Fachgeschäfte sorgen dafür, dass kaum ein Einkaufswunsch unerfüllt bleibt.
Die Fußgängerzone der Stadt beginnt am Rathaus in der Oberen Königsstraße und endet am „Stern“ in der Unteren Königsstraße und wird von Straßenbahnen durchquert. Ein breites ÖPNV‐Angebot mit Bus und Straßenbahnanbindungen bringen Besucher direkt ins Herz der Stadt, dazu kommen 10.000 Parkplätze direkt in die Innenstadt.
Die Treppenstraße zählt zu den Glanzstücken des Kasseler Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, war sie doch ein in dieser Form in Deutschland einmaliger Straßenzug, der ausschließlich dem Fußgängerverkehr vorbehalten war. Am 9. November 1953 fand die offizielle Einweihung der Treppenstraße statt. Sie ist eine Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Friedrichsplatz und führt an einem Obelisken vorbei der als zeitloses Monument an Migration und Verfolgung erinnern soll. Der nigerianisch‐US‐amerikanische Künstler Olu Oguibe entwarf es für die documenta 14.
Das Fridericianum
Am Friedrichsplatz befindet sich das Fridericianum das im Jahr 1779 als eines der weltweit ersten öffentlichen Museen gegründet wurde. Seit 1988 ist es eine international renommierte Kunsthalle. Auf über 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst gezeigt – von Neuentdeckungen bis hin zu etablierteren Positionen.
Seit 1955 findet hier die 100-tägige documenta statt, die alle fünf Jahre ausgerichtet wird und im Jahr 2027 zum 17. Mal ihre Türen öffnet. Das Fridericianum ist dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11–18 Uhr (Donnerstag von 11–20 Uhr) geöffnet.
Das Ottoneum
Schräg gegenüber dem Fridericianum befindet sich das Ottoneum das als erstes feststehendes Theatergebäude Deutschlands errichtet wurde und heute als Naturkundemuseum genutzt wird. Es wurde unter Landgraf Moritz in der Zeit von 1603 bis 1606 durch den Architekten Wilhelm Vernuken errichtet und nach Otto, dem Lieblingssohn des Landgrafen, „Ottoneum“ genannt.
Das Ottoneum ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region und bietet eine Zeitreise zu ehemaligen Wüsten, Meeresgründen und Eiszeitsteppen mit ihren Sauriern, Haien und Mammuts. Mitmachstationen, Sonderausstellungen und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm machen das Museum zu einem echten Erlebnisort.
Im Naturkundemuseum geht es durch die faszinierende Erdgeschichte, vorbei an Dinosauriern, Seekühen und Mammuts bis zur heutigen Natur in Nordhessen. Außerdem wird mit vielen Kostbarkeiten die bewegte, jahrhundertealte Gebäude‐ und Sammlungsgeschichte des Museums präsentiert.








































