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Biedenkopf - Luftkurort im oberen Lahntal
Weiter geht es auf unserer Reise entlang der Lahn nach Biedenkopf das nur etwa 11 Kilometer von Bad Laasphe entfernt liegt. Hier gilt vieles, was auch schon Bad Laasphe auszeichnet, viel Natur in einer wenig besiedelten Landschaft mit herrlicher Ruhe und toller Landschaft. Die Stadt wird überragt vom Landgrafenschloss, das auf eine über 750-jährige Geschichte zurückblickt.
Höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der Hausberg Biedenkopfs, die 674 m hohe Sackpfeife, der die höchste Erhebung im Landkreis Marburg-Biedenkopf und einer der schönsten Aussichtspunkte mit Rundblick übers Rheinische Schiefergebirge und das Marburger Bergland ist.
Biedenkopf verfügt über eine schöne Altstadt mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern und gemütlichen Gassen, die entdeckt werden wollen. Die Fachwerkhäuser der Altstadt, die heute das Stadtbild prägen, stammen aus der Zeit nach den großen Bränden. Fast alle Häuser sind „giebelständig“, d. h. sie weisen mit der Giebelseite zur Straße, so dass pro Haus wenig Platz verbraucht wurde, denn Platz war innerhalb des Mauerrings knapp. Nur die Häuser reicherer Besitzer stehen mit der Traufseite zur Straße. Durch die Lage am steilen Hang waren oft zwei Eingänge in verschiedenen Stockwerken vorhanden. An der Vorderseite führt der Eingang ins Untergeschoß, ehemals den Ställen vorbehalten, und auf der Rückseite ins Obergeschoß mit den Wohnräumen.
Bekannt sind die Eckelshausener Musiktage, ein jährlich im Mai und Juni stattfindendes internationales Kammermusikfestival im Biedenkopfer Ortsteil Eckelshausen. Nationale und internationale Künstler und Gruppen treten bei dem Festival auf. Ein weiteres Highlight ist der alle sieben Jahre stattfindende legendäre Grenzgang. Dieser begann 1693 als amtliche Grenzbegehung und wurde 1839 zum Heimatfest, ein gesellschaftliches Ereignis, das weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist.
Geschichte der Stadt und Anreise nach Biedenkopf
Um 1231 gelangte die Burg in den Besitz des Landgrafen Konrad von Thüringen der Biedenkopf unterhalb der Burg anlegen ließ. Nachdem die ursprünglich hessischen Besitzungen sich 1248 wieder von Thüringen getrennt hatten, bezeichnet eine Urkunde Biedenkopf als „Oppidum“, also als Stadt. Bei der Teilung Hessens nach dem Tode Landgraf Philipps des Großmütigen geht Biedenkopf und Umgebung an Hessen-Marburg.
Im 30jährigen Krieg kommt es 1635 und 1647 zu Feuersbrünsten, 1637 fordert die Pest einige Opfer unter der Bevölkerung. 1717 vernichtet eine Brandkatastrophe bis auf wenige Ausnahmen alle Häuser der Stadt. Um 1780 herum erleben die Zünfte, allen voran die Tuchmacher, ihre höchste Blüte. Die Einwohnerzahl der Stadt steigt auf fast 5.800 an.
1832 wird Biedenkopf Sitz der Kreisbehörden des neu geschaffenen Kreises Biedenkopf. 1866 muss Hessen-Darmstadt den Kreis Biedenkopf an Preußen abtreten. 1883 wurde die Bahnlinie Marburg-Kreuztal fertiggestellt, die Errichtung einer Bahnstation ist vorteilhaft für die Stadtentwicklung. 1945 führt der Zuzug von Heimatvertriebenen zu einem erheblichen Anstieg der Einwohnerzahl, neue Baugebiete müssen erschlossen werden.
1971 schließen sich die Nachbarorte Dexbach, Eckelshausen, Engelbach und Kombach mit Biedenkopf zusammen, 1974 werden im Rahmen der Gebietsreform Hessens die Gemeinden Breidenstein, Katzenbach, Wallau und Weifenbach der Stadt angegliedert.
Biedenkopf liegt an der Bundesstraße 62 die eine der längeren Bundesstraßen quer durch das Zentrum Deutschlands führt. Im Ortsteil Ludwigshütte stößt die Bundesstraße 253 auf die Bundesstraße 62 die von Melsungen über Fritzlar und Frankenburg nach Biedenkopf und weiter nach Dillenburg geht. Die Stadt ist an das Schienennetz angebunden und liegt an der Bahnstrecke Kreuztal-Cölbe, die Regionalbahn RB 94 fährt von Bad Laasphe nach Marburg mit Halt in Biedenkopf. Als Öffentliche Verkehrsmittel stehen Busse des Rhein-Main-Verkehrsverbund bereit.
Landgrafenschloss und Marktplatz
Hoch über der Stadt thront das Landgrafenschloss, es wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts von Heinrich III. zu Hessen-Marburg erbaut und zählt zu den bedeutenden Kulturdenkmälern des Landes Hessen. Wie Ausgrabungen belegen, gab es bereits Vorgängerbauten, die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen. Das Schloss sollte als Witwensitz dienen, es wurde aber nie bezogen da die Familie ihren Wohnsitz in Marburg hatte.
Zwischen 1577 und 1842 wurde das Schloss Biedenkopf zweckentfremdet und diente als Getreidespeicher, in dem die bäuerlichen Abgaben gelagert wurden. Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft in Hessen nutzten die städtische Verwaltung sowie einige Privatunternehmern das Schloss als Lagerraum. Seit 1908 beherbergt es das Hinterlandmuseum, es zeigt zahlreiche Exponate aus dem Leben und Arbeiten der Region. Die Ausstellungen und der Bergfried können vom 01. April bis 15. November dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr besichtigt werden. Die Ausstellungen und der Bergfried können vom 01. April bis 15. November dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr besichtigt werden.
Der Marktplatz der Stadt ist von schönen Gebäuden umgeben in denen teilweise Gastronomiebetriebe eingezogen sind, in der warmen Jahreszeit können Besucher draußen sitzen. Der Platz diente früher als Viehmarkt, für den Biedenkopf weit über seine Grenzen hinaus berühmt war. Aus der Wolle der Schafe und Unkräutern wie Flachs und Färberwaid wurden früher Stoffe hergestellt, die sogenannte Beiderwand, die schon im 15. Jahrhundert selbst am Hof des hessischen Landgrafen Verwendung fanden. Das Denkmal in der Mitte des Marktplatzes erinnert an die Kriege 1866 Hessen-Darmstadt gegen Preußen und 1870/71 des Deutschen Reiches gegen Frankreich und wurde 1904 errichtet.
Hirschapotheke und das Schenkbarsche Haus
Am Rande des Marktplatzes steht die Hirschapotheke an einer dominierenden Stelle. Ursprünglich stand an dieser Stelle das Weinhaus der Stadt, dieses brannte allerdings beim Stadtbrand 1717 ab. An seiner Stelle erhebt sich heute ein Gebäude, das ursprünglich gar nicht nach Biedenkopf gehörte. Es war im Besitz des hessischen Landgrafen und stand in dessen Jagdschloss Katzenbach, etwa 10 km von Biedenkopf entfernt.
1774 wurden die Gebäude des Schlosses auf Abbruch verkauft und die Fachwerkteile der Häuser von ihren neuen Besitzern neu aufgebaut. Es handelt sich dabei um ein Gebäude, das um etwa 1660 erbaut wurde.
Das Schenkbarsche Haus, das älteste Haus der Stadt, ist das einzige Haus Biedenkopfs, das die drei Stadtbrände unbeschadet überstand und danach auch nicht abgerissen wurde. Sein Keller, eine vier Meter hohe romanische Halle aus der Zeit um 1180, war ursprünglich Teil eines Burgmannssitzes. Damals umfasste die Anlage noch einen Turm, dessen Sockel noch vier Meter hoch erhalten ist, und ein gotisches Steinhaus, das im 17. Jahrhundert abgerissen worden sein muss.
Ab 1491 wurde das heutige Haus auf dem Steinsockel errichtet, 1568 um ein Stockwerk erweitert und 1610 umgebaut und mit zwei neuen Speicherstockwerken versehen. In den Jahren vor 1500 beherbergte das Haus den hessischen Landgrafen Wilhelm III., wenn er zur Jagd in Biedenkopf weilte. Seit 2010 beherbergt das Haus ein privates Museum.
Der Obere Markt und der Perfstausee
Der Obere Markt war der erste Marktplatz Biedenkopfs und diente als Lebensmittelmarkt. Wer hier schlechte Ware anbot, wurde in Halseisen an den Pranger gestellt. Hier steht auch der große Marktbrunnen, der letzte in der Oberstadt. Kein Haus der Altstadt besaß einen eigenen Brunnen, daher war dieser Brunnen für die Bürger enorm wichtig. Wer früher reich war wohnte in der Nähe des Brunnens, die Ärmsten wohnten am weitesten weg.
Ein beliebtes Ausflugsziel ist der Perfstausee, der sich seit seinem Bestehen im Jahr 1993 zu einem beliebten Ziel für Erholungssuchende, Sportler und Naturfreunde aus Nah und Fern entwickelt hat. Rund um den See führt ein 3 Kilometer langer Spazierweg, der See kann mit einem Paddel-, Ruder-, Schlauch-, Tret- oder Faltboot sowie Kanu oder Segelboot erkundet werden. Ein Teil des Sees steht unter Naturschutz und ist ein Refugium für Wasservögel. Beobachtungspunkte bieten einen guten Blick auf die Tierwelt. Eine Gaststätte direkt am See lädt zur Einkehr ein, in der warmen Jahreszeit kann auf der großen Außenterrasse der schöne Blick auf den See genossen werden.












